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Mein Pfingstwunder

Ich liebe das Einfache, ja sogar Spartanische. Ich lebe gut mit meinen alten Sachen in meinem alten Haus. Wer nicht viel braucht ist freier und hat Zeit zum Malen, Schreiben, Lesen, Nachdenken und Spielen. Der hat Zeit für’s köstliche Allein-mit-sich-Sein und für’s wundervolle Zusammensein mit Anderen.

 

Wenn es nur so einfach wäre!

Dummerweise bin ich auch eine Sammlerin und produziere permanent Fülle. Schuld daran sind nicht zuletzt die vielen Ideen, die mir ständig zu-fallen und mich begeistern. Und  die ich am liebsten gleich in die Tat umsetzen möchte. Aber dann fehlt wieder die Zeit – die bereits bestehende Fülle und der Alltag müssen schließlich bereits „verwaltet“ werden. Viele Schätze liegen deshalb nur halb gehoben in irgendwelchen Ecken und bilden die „losen Enden“, vor denen immer gewarnt wird, weil sie uns nerven und Kraft rauben. Dazu gehören Berge von Skizzen und Notizen für den Fall, „wenn mal mehr Zeit ist“.

 

Diese Veranlagung, gegen die ich nicht wirklich viel tun kann, weil sie ja auch zu mir gehört, macht jede Übersicht und nötiges Prioritäten-Setzen im Alltag schwer.

Am besten komme ich zurecht, wenn ich quasi wie ein Schmetterling von Blume zu Blume, von einer Tätigkeit zur nächsten „fliegen“ kann. Dann schaffe ich richtig viel weg – oder auch mal nicht, aber das gleicht sich gut aus. In dieser Art von innerer Bewegung fühle ich mich am zentriertesten.

Für Termine und Verabredungen muß ich dieses Verhalten jedoch unterbrechen und in einen anderen Modus wechseln. Was auch okay ist, schließlich lebe ich vom Unterrichten und muß mich für die Menschen, die zu mir zum Malen kommen, verbindlich machen. Die können mit einem Schmetterling allein wenig anfangen.

 

Die Fülle eingrenzen, Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen, das ist nicht mein erstes Naturell, daran arbeite ich seit Jahrzehnten und es gelingt mir mittlerweile auch so einigermaßen.

Vierzig Jahre Erfahrungen in der Malerei haben mir dabei geholfen. Auf der „Stellvertreterfläche“ der Leinwand kann ich mich besser sortieren als irgendwo sonst. In meinen Bildern der letzten 10 Jahre habe ich es sogar geschafft diesem vernetzten Wahrnehmen – „Alles ist doch mit allem verbunden und folgt geheimnisvollen, in einander verschränkten Rhythmen - man schaue sich nur die Natur an!“ – einen Ausdruck zu verleihen. Ja, ich liebe es. Ein Bild ist – Halleluja! - begrenzt genug, um das Viele durch eine künstlerisch gesetzte Ordnung einzufangen und SICHTBAR werden zu lassen.

(Aber, klar, es sind auch noch einige ganz andere Bilder „nebenbei“ entstanden. Wie sollte es auch anders sein. Mich selbst einzufangen ist mir bisher noch nicht gelungen. Und das ist auch gut so.)

 

Doch nun zu meinem Pfingstwunder.

Seit fast 20 Jahren gebe ich meine Erfahrungen und mein Wissen über die Malerei weiter. (Stimmt - auch das Unterrichten hat mir sehr geholfen, Struktur in meine Arbeit zu bringen!) Und es erfüllt mich. Ich lerne wunderbare Menschen kennen, und spüre daß ich sie sehr individuell und gut in ihrer Entwicklung fördern kann.

 

Aber auch in meinen Mal-Angeboten ist die Fülle über die Jahre immer größer geworden. Eine Fülle, die mich selbst schon lange an meine Grenzen bringt.

Ganz ehrlich: immer wieder die Entscheidungen zu treffen, was von den vielen Techniken und Themen ich anbieten soll und abzuwägen, welche Kursdauer und welcher Zeitpunkt dafür wohl richtig ist, strengt mich sehr an. Und das Ganze, wenn möglich, ein Jahr im Voraus entscheiden, dann auf die Website setzen und dann die Info-Rundmails/Newsletter schreiben… Der Aufwand ist einfach zu groß geworden.

Ich bin keine der großen, privaten Malakademien mit eigenem Management und Sekreteriat im Rücken. Ich will auch, wenn ich älter werde, nicht immer mehr meiner Zeit nur mit der ORGANISATION meiner Arbeit verbringen. Das ist absurd.

 

Nachdem ich 2016 das große, angemietete Atelier im Pfahlweg aufgegeben hatte und der Plan eines großen Ateliers im Garten gescheitert war, fragte ich mich, ob ich meine Unterrichtsarbeit wieder in die kleineren Atelierräume hier im Haus verlegen sollte. Ich teilte Heike, einer langjährigen Teilnehmerin meine Überlegungen mit und sie sagte: "Das fände ich klasse! Ich habe immer gerne in Deinem Haus gemalt. Statt etwas Großes machst Du jetzt eben etwas Kleines, FEINES!“

 

Danke, Heike, Du hattest mir damit sehr geholfen! – KLEIN und FEIN weitermachen - das war gut! Nur die oben erwähnte Verwaltung der große Fülle der Mal-Angebote empfand ich zunehmend als Last. Sie paßte nun auch immer weniger zu klein und fein.

„Ich muß das Ganze vereinfachen – ich weiß nur noch nicht wie…“ – den Spruch bekam jeder meiner Freunde, und natürlich auch Günter, in den letzten Jahren oft zu hören. „Mir geht’s gut, ABER…“ - Ich ging mir schon selbst damit auf die Nerven. Gleichzeitig wußte ich, daß mein Leben nach dem Motto funktioniert: „Nichts kann passieren, bevor die Zeit nicht reif dafür ist.“ – Grrrrr!!!! Da war Geduld gefragt - und gute Gespräche im richtigen Moment mit den richtigen Leuten…

 

Und dann bekam ich letzte Woche diese starke Erkältung und war zwei Tage total aus dem Verkehr und dann kam Pfingsten und es brannte wieder die kleine Osterkerze auf dem Frühstückstisch und wir unterhielten uns. Und dann war es plötzlich klar, wie ich es in Zukunft machen würde. Und bin mir nun auch ganz sicher.

Da kam die Eingebung, da ging der geistige Vorhang auf.

Das war mein Pfingstwunder.

 

PS.

Die "Offenbarungen" werden in den nächsten Wochen an anderer Stelle zu lesen sein.