· 

Zeitwohlstand statt Güterreichtum

KUNST & LEBEN No. 1

 

Ich lese gerade das neue Buch von Günter Faltin. Sie kennen ihn nicht? Sie kennen aber vielleicht die "Teekampagne"?

Der Prof. für Ökonomie aus Berlin gründete sie vor 30 Jahren zusammen mit Studenten, um zu beweisen, daß Wirtschaft auch anders gehen kann, daß wir ökonomisch besser, d.h. nachhaltiger, fairer und preisgünstiger handeln können. "Das kann nicht gehen!" - wurde prognostiziert. Heute ist die Teekampagne der größte Importeur für Darjeeling weltweit.

 

Sie wundern sich, daß ich mich "als Künstlerin" mit solchen Themen beschäftige? Dafür gibt es folgende Gründe:

"Alles fließt", 40 x 40 cm, Mischtechnik, 2017
"Alles fließt", 40 x 40 cm, Mischtechnik, 2017

Erstens - Zusammenhänge interessieren mich schon immer mehr als eine simple Ursache-Wirkung-Logik. Das wiederum ist vielleicht ein Grund, warum ich seit 10 Jahren nicht nur immer wieder diese Art Bilder (siehe Abbildung links) male, sondern warum ich überhaupt male.

Eine Bildkomposition ist immer ein Gefüge verschiedener, u. U. sehr gegensätzlicher Bildelemente. Wie bringe ich sie zusammen? Wie kommunizieren sie mit einander? Wie ergeben sie ein Ganzes? Je bewußter und authentischer eine Komposition gelingt, desto stimmiger das Werk. Mich fesselt diese Aufgabe immer wieder auf's Neue. Die Frage, wie die Dinge zusammenhängen, beschränkt sich bei mir allerdings nicht nur auf's Malen.

 

Zweitens - als Freiberuflerin interessiere ich mich eben auch für wirtschaftliche Zusammenhänge, denn ich agiere ja sogar in ZWEI Märkten - wenigstens im Kleinen: im Kunstmarkt und im Weiterbildungsmarkt. Ich muß als Geschäftsfrau also schon etwas auf dem Laufenden bleiben.

Ich habe es immer für unlogischen Blödsinn gehalten, daß wir ein ständig steigendes wirtschaftliches Wachstum brauchen. Diese Haltung hat in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder den Einen oder Anderen milde lächeln lassen. ("Naja, Künstlerin eben...!") Heute werde ich von vorausschauenden und erfolgreichen Ökonomen wie Günter Faltin genau darin bestätigt. Und allmählich können wir wohl alle nicht mehr daran vorbeischauen: so geht es nicht weiter. Wenn sich nichts ändert, fahren wir den Karren an die Wand. Ökologisch, ökonomisch, sozial - einfach in jeder Hinsicht.

 

Aufatmen

Nicht nur Kinder & Jugendliche gehen auf die Straße und fordern Veränderungen seitens der Politik. (Und sie sind sich im Klaren darüber, daß das nicht angenehm sein wird! Aber verdammt nochmal, um den Verlust unserer Bequemlichkeitszonen geht es nun wirklich nicht mehr!) Andere mischen sich mit kreativen, ökologisch und sozial ausgerichteten Startups aktiv ins wirtschaftliche Geschehen ein. Wieder Andere entdecken, daß weniger sowieso mehr ist: Minimalismus heißt ihr Zauberwort. Weniger besitzen, dafür mehr Zeit haben. "Zeitwohlstand statt Güterreichtum" zitiert in seinem neuen Buch auch Günter Faltin dieses neue Denken.

 

Das spricht mich sehr an. Ich nehme erleichtert einen tiefen Atemzug... - Genau, darum geht's! Denn wo ich auch hinsehe - bei mir selbst, meinen Freunden*, meinen Teilnehmern* ... überall und jedem* scheint ZEIT viel mehr als irgendetwas sonst zu fehlen. Dafür haben wir fast alle... - zuviel ZEUG! Unser "Zeug" aber braucht Pflege und muß verwaltet werden. Es braucht mittlerweile viel, sehr viel von unserer Aufmerksamkeit. Von unserer Energie. Und von unserer Zeit. Zeit, die wir gerne anderweitig zur Verfügung hätten - zur Pflege unserer Gesundheit, unserer Familie & Freunde, unserer Hobbys oder für soziales und politisches Engagement. Oder Zeit um mal wieder einfach nur "dumm rumzusitzen" und Löcher in die Luft zu starren, um entspannt zu trödeln bei dem was zu tun ist. Echte Erholung halt.

 

Schon Mahatma Gandhi hat gesagt: "Sei die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt!"
In diesem Sinne und mit besten Grüßen,
Susanne Hauenstein


Und hier noch die Vorschau auf meine nächsten Veranstaltungen:

Künstlerfilm im Gespräch - Mi 17. Juli 2019 / 20 Uhr

Der Zauberbaum - Di 23. - Fr 26. Juli  / täglich 10 - 14 Uhr

Freies Malen und Zeichnen - Sa 27. Juli (10 - 13 Uhr sowie 13 - 15 Uhr) - nur noch 1 Platz frei

Aus der Bewegung heraus! - Mi 14. - So 18. August 2019 (Mi 15 - 18 Uhr / Do, Fr, Sa  jeweils 10 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr / So 10 - 13 Uhr)

Acryl-Einführung TEIL 1 - Di 20. - Do 22. August 2019 (jeweils 10 – 13 Uhr + 15 – 18 Uhr)

Freies Malen und Zeichnen - Sa 24. August (10 - 13 Uhr sowie 13 - 15 Uhr)

Zeichnen intensiv  - Ende August/Anfang September gibt es mehrere Gelegenheiten mit Bernd und Susanne, um sich mal wieder dem ZEICHNEN zu widmen!

- Dann ist erstmal PAUSE bis Oktober! -

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Gudrun (Dienstag, 16 Juli 2019 13:48)

    Danke, dass ich immer die schönen Botschaften bekomme, obwohl ich schon so lange nicht mehr bei Dir gemalt habe... das schwarz-gelbe Spinnenetzbild, das bei Dir entstand, hängt nach wie vor über meinem Computerplatz und erfreut mich... ebenso vergesse ich nie Deine Worte von damals: SCHWARZ bedeutet Klarheit. Da habe ich erstmals in meinem Leben SCHWARZ gemalt!!!
    Liebe Susanne,
    eine schöööööne Sommerzeit wünsche ich Dir und grüße herzlich.
    Gudrun Moritz aus Mühlacker